Die pazifistische Panzerfrau

Essa Judani mischt den Militärzirkus auf

Essa Judani wurde als Tochter eines hochrangigen Offiziers der israelischen Armee und einer amerikanischen Ärztin in Tel-Aviv geboren.

 

Sie verbrachte ihre Schulzeit in einem New Yorker Nobelinternat, wo sie neben Russisch und Französisch auch Deutsch erlernte. Schon früh wurde sie mit feministisch-pazifistischen Ansichten vertraut gemacht, die Judanis Leben auch später noch tief prägen sollten.

 

Mit 17 trampte sie nach Südindien und landete dort in einem Ashram, wo sie von dem Guru Maharishi Mahesh Yogi in die transzendentale Meditation eingewiesen wurde und zu einem seiner bevorzugten Schützlinge avancierte. Maharishi war es auch, der sie im Jahr 1996 bei einem ihrer Besuche in Indien mit dem Filmregisseur David Lynch bekannt machte. Mit ihm verband sie eine kurze, aber heftige Liaison, die Lynch in seinem Film Lost Highway verarbeitete.

 

Kurz danach kehrte Judani nach Israel zurück und wurde eingezogen. Trotz ihrer Aversion gegenüber dem Militärapparat erwarb sie innerhalb kürzester Zeit exzellente Kenntnisse über Kampfpanzer des Typs Merkava und erwarb eine Fluglizenz für F-16 Militärjets. Ihre Oberbefehlshaber waren so enthusiastisch ob ihres bemerkenswerten technischen Verständnisses, dass Judani zum Leutnant ernannt werden sollte. Presse und Militärelite waren aufmarschiert, um Judani ihren Tribut zu zollen. Wie es die Tradition vorsah, fuhr Essa am Abend ihrer Beförderung im Panzer vor. Anstatt jedoch die Glückwünsche der strammen Abgesandten der Streitkräfte entgegenzunehmen, mähte sie, passend zu den Klängen der Fanfare, radikal das feierliche Buffet nieder, um anschließend mit dem Heiligtum der israelischen Armee – die gefledderte Lieblings-Zweirotormaschine von Jassir Arafat – außer Landes zu fliehen. Es konnte ja niemand ahnen, dass sie sich die Funktionsweisen der militärischen Gerätschaften nur zum Zwecke der Flucht so akribisch angeeignet hatte.

 

Judani landete den Flugkörper im Sudan, wo sie in die Fänge einer Rebellengruppe geriet, der sie sich jedoch kurzerhand anschloss und aus dem Untergrund forthin unerbittlich für die Rechte der Militärdeserteure kämpfte. Dies führte in ihrer Heimat, wo sie zu einer Ikone der feministischen Bewegung sowie der Militärgegner wurde, zu ihrem Namen „Essa Judani“ (hebr.: Kämpferisches Weib). Nach mehreren Jahren im Untergrund verließ Judani den afrikanischen Kontinent und brach nach Osteuropa auf. In einer böhmischen Kneipe traf sie auf einen heiter volltrunkenen Jungspund namens Klippo Kraftwerk, der sie, vom Absinth vernebelt, mit einer grünen Fee verwechselte und fröhlich lallend in ihrem kastanienfarbenen Haar nach Kleingeld zu wühlen begann. In weiterer Folge betrat Buccan Faber, der Direktor eines kleinen politischen Wanderzirkus, mit seinem Gefolge die Schänkstube. Vom Duft des Abenteuers sofort in den Bann gezogen, schloss sich Judani dem bunten Haufen an und zog mit ihm durch den Osten.

 

Sich an ihre feministischen Wurzeln erinnernd versuchte Judani sowohl als Bauchrednerin sowie als „Frau mit Bart“ das (meist) spärliche Publikum des Zirkus’ mit den sozialen Ungleichheiten zwischen Mann und Frau zu konfrontieren (wobei ihr der aufgeklebte Bart wegen einer Kunsthaarallergie mehr zusetzte als der tägliche Streit mit ihrer chauvinistischen Handpuppe). In dieser Zeit machte sie Bekanntschaft mit Freidenkern wie Daniel Cohn-Bendit und Alice Schwarzer, die ebenfalls (ein wenig erwähntes Detail deren Biografie) dem Wanderzirkus angehörten. Nach den Jahren des Reisens fand Judani in Tirol eine neue Heimat und wurde hier endgültig von ihrem Heimweh erlöst, entspricht doch das österreichische Bundesland in Flächengröße und Bevölkerungsdichte genau einem Viertel Israels.

 

Ihre Mitgliedschaft beim – dezidiert nicht politischen – Schreibclub sieht Judani eigenen Angaben zufolge als „Möglichkeit, ihre Seele mit lieblicheren Inhalten zu füttern, als die Welt der Politik je herzugeben vermag“.

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