Die Vorahnung

Wie Klippo Kraftwerk zu dem wurde, was er ist.

„Auch wenn es euch nach allem, was ihr von ihm wisst oder wenigstens zu wissen glaubt, ganz und gar unglaublich erscheinen mag, so lasst euch doch eines versichern: Klippo Kraftwerk war nicht immer das gefühlskalte Monster, als das wir alle ihn kennen und fürchten. Ihr glaubt vielleicht, Klippo sei schon als Scheusal geboren worden. Aber ich, der ich die Familiengeschichte der Kraftwerks viele Jahrzehnte lang mit obsessivem Interesse studiert und erforscht habe, kann euch sagen: Ihr irrt euch gewaltig. Wenn ihr erlaubt, so möchte ich euch nun in knapper Form darlegen, wie Klippo Kraftwerk zu dem Menschen, zu dem Unmenschen, wurde, der er ist.

 

Meine Geschichte beginnt an einem strahlend heißen Sommertag im Jahre x. Es war einer jener Tage, an denen die Sonne so hoch und kraftvoll am Himmel steht, dass es auf der ganzen weiten Welt kein Fleckchen Schatten, keine einzige dunkle Stelle zu geben scheint. Auch im unvorstellbar großen Garten, der zu jener Zeit das Anwesen derer von Kraftwerk nach allen Richtungen hin umgab, war alles von gleißendem, wärmendem Licht erfüllt. Und vom ausgelassenen Rufen und Johlen der Kinder, die auf den halb überwucherten Kieswegen herumtollten, zwischen den verwilderten Büschen Verstecken spielten oder im trüben Wasser der kleinen Teiche herumplantschten. Die meisten der munteren Knaben, die da so unbeschwert spielten und scherzten (sie alle mochten etwa zehn bis elf Jahre zählen) stammten aus einer bäuerlichen Siedlung, die, ein wenig geduckt und zusammengedrängt, am Fuße der dreizehn Hügel lag, die das Kraftwerk’sche Anwesen damals überspannte. Doch der aufgeweckteste und fröhlichste unter den spielenden Buben war niemand anderer als der kleine Klippo Kraftwerk.

 

Klein-Klippo war ein frischer, pausbäckiger Knabe mit blond gelocktem Haar und lebhaften blauen Augen. An seiner auffallend gesunden Gesichtsfarbe, seinen braungebrannten Armen und den Erdklumpen an Schuhen und Knien konnte man erkennen, dass er wieder einmal den lieben langen Tag inmitten der Natur zugebracht hatte. Er hatte mit den Nachbarsbuben Fangen gespielt, hatte den großen braunen Lederball durchs hohe Gras gejagt und auf der knorrigen Trauerweide, die sich über einen der Teiche neigte, waghalsige Turnübungen vollführt. Nun saß er, um Atem ringend, aber glücklich, auf einer verwitterten alten Holzbank, ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen und streichelte hie und da eines der flauschigen Kätzchen, die von allen Gehöften in der Nachbarschaft herbeizuströmen pflegten, wann immer Klippo im Freien spielte. Und kein Tier, das Klippos Nähe und seine zärtliche Zuwendung suchte, war jemals enttäuscht worden.

 

Gerade als sich Klippo von seinem lauschigen Plätzchen erheben wollte, um einer besonders kleinen und zierlichen Katze ein Schüsselchen mit süßer Milch zu bringen, wurde die Stille plötzlich von einem Schrei durchschnitten. „Klippo!“, rief eine harte, kalte Stimme, die so gar nicht zu den sommerlichen Temperaturen und dem freudigen Vogelgezwitscher ringsumher passen wollte. „KLIPPO“, wiederholte die Stimme, noch schärfer und schneidender, „komm sofort her!!“ Klippo seufzte leise auf, ließ seine Hände noch für einen Augenblick im weichen, warmen Fell des Kätzchens verweilen und genoss das sanfte Schnurren des Tieres. Dann sprang er auf und rannte mit klopfendem Herzen zum gigantischen neogotischen Portal, das vom Garten ins Innere des Kraftwerk‘schen Herrenhauses führte. Sein Vater wartete schon auf ihn.

 

Konrad von Kraftwerk war ein hochgewachsener, hagerer Mann, der auch im Sommer stets in schwarze oder dunkelgraue, bis zum Boden reichende Gewänder gekleidet war. Sein langer, vollständig kahler Schädel, dessen Gesichtsknochen unter einer bleichen, fast durchscheinenden Hautdecke scharf hervortraten, endete in einem spitz zulaufenden Kinn, das die Luft förmlich zu durchbohren schien. Aus eisgrauen, undurchdringlichen Augen blickte er auf seinen Sohn herab, der schwer atmend vor ihn hin getreten war und scheu zu Boden sah.

 

„Warum dauert das denn so lange?“, fragte der Vater mit einer Stimme, die so dünn und durchdringend war wie die Klinge eines gefrorenen Dolches. „Ich habe dir doch gesagt, dass du augenblicklich zu erschienen hast, wenn ich dich rufe.“ – „Verzeihen Sie, Herr Vater“, sagte Klippo ohne aufzublicken, „ich wollte gerade die Katzen füttern und war ein wenig abgelenkt.“ Der Vater schüttelte missbilligend den Kopf. „Wie oft habe ich dir schon erklärt, dass du dich nicht mit diesen haarigen kleinen Streunern herumtreiben sollst! Je öfter du sie fütterst und, gefühlsduselig wie du bist, mit den Fingern in ihrem verfilzten Fell herumfährst, desto anhänglicher werden sie. Und je anhänglicher sie werden, desto mehr schränken sie dich in deiner Handlungsfreiheit ein. Wir Kraftwerks lassen uns aber von nichts und niemandem einschränken! Hast du das verstanden?“ - „Aber … sie sind doch so lieb“, protestierte Klippo leise. – „Lieb? LIEB??“, wiederholte der Vater aufbrausend, „du weißt genau, dass ich solche Wörter in meinem Hause nicht dulde. Mit ‚lieb‘, ‚nett‘ und ‚putzig‘“, er spie die Worte regelrecht aus, „wollen wir Kraftwerks nichts zu tun haben.“

 

„Außerdem“, fuhr er nach einer Weile ebenso eisig fort, „müsste dir inzwischen bekannt sein, wie sehr ich es verabscheue, wenn du den ganzen Tag im Freien spielst. Das ist abartig, wider die Familiensitten. Überhaupt: Das helle Licht und die bewegte Luft dort draußen bekommen dir nicht.“ – „Aber meine Freunde …“, begann Klippo und deutete in Richtung des sonnendurchfluteten Gartens, aus dem das Lachen der spielenden Knaben gedämpft in die finstere Empfangshalle drang. „Ach komm mir doch nicht mit deinen ‚Freunden‘“, schnaubte der Vater verächtlich. „Wir Kraftwerks haben keine Freunde und brauchen auch keine. Wir folgen ausschließlich unseren eigenen Interessen. Freundschaft und andere Sentimentalitäten stören uns nur in unserer autonomen Machtentfaltung und behindern uns bei der bedingungslosen Durchsetzung unseres Willens.“

 

Die letzten Worte hatte der Vater immer lauter und in jenem fast mechanischen Tonfall gesprochen, der für ihn – und für viele andere Repräsentanten der Kraftwerk-Sippe – so typisch war. „Ich kann es generell nicht gutheißen, dass du dich mit diesen Bauerntölpeln abgibst“, sagte der Vater, während er die schweren hölzernen Türflügel hinter sich schloss und so schlagartig jeden Sonnenstrahl und jedes Naturgeräusch aussperrte. „Ein Kraftwerk sollte unter seinesgleichen bleiben. Nimm dir ein Beispiel an deinen Brüdern, die noch nie Freunde gehabt haben.“ Er deutete hinüber zur breiten Marmortreppe, deren ausgetretene, knochenfarbene Stufen aus dem Halbdunkel der Empfangshalle zu den Privatgemächern der Familie Kraftwerk führten. Am oberen Ende der Treppe, im fahlen Licht, das sich durch hohe, schmutziggelbe Fenster ins Hausinnere zwängte, standen die Zwillinge Killian und Kurtchen Kraftwerk und musterten ihren älteren Bruder mit unverhohlener Feindseligkeit. Beide trugen schwarze, altmodisch geschnittene Anzüge, wie man sie an Buben von kaum neun Jahren höchst selten sah, und dunkles, streng gescheiteltes Haar, unter dem ihre weißen Gesichter fast unnatürlich hervorleuchteten. Klippo hob die Hand und winkte ihnen zu, doch sie verzogen keine Miene und musterten ihn weiterhin durchdringend.

 

„Ja, deine Brüder sind, trotz ihrer jungen Jahre, in manchen Dingen schon viel weiter als du“, erklärte der Vater mit kaltem Stolz. „Sie wissen, dass es sich für einen Kraftwerk nicht gehört, an Blümchen zu schnuppern, Kätzchen zu streicheln und mit feisten Bauernbuben durch die Gegend zu rennen.“ Er hielt kurz inne, dann fuhr er mit leiserer, fast noch bedrohlicherer Stimme fort: „Doch deshalb habe ich nicht nach dir gerufen.“

 

„W-weshalb dann, Herr Vater?“, fragte Klippo mit einem leichten Zittern in der Stimme. Er hatte keine Ahnung, was der Vater mit ihm vorhatte, aber er spürte, dass es etwas Bedeutungsvolles, vielleicht auch Gefährliches sein würde. – „Nun, ich muss dir etwas zeigen.“

 

Mit diesen rätselhaften Worten legte ihm der Vater die Hand auf die Schulter und führte ihn in einen langen, dunklen Gang, der, so viel war Klippo bekannt, von der Empfangshalle bis tief in die Eingeweide des alten Herrenhauses reichte. Irgendwann, als sie dem von ewigem Dämmerlicht erfüllten Gang wohl schon minutenlang gefolgt sein mussten, zog ihn der Vater plötzlich eine enge, wirbelsäulenförmige Wendeltreppe hinauf, danach weiter durch verwinkelte Gänge und sich plötzlich weitende Räume, in denen ihre Schritte gespenstisch widerhallten. Dann wiederum wurden die leeren Zimmer und Gänge auf einmal so niedrig, dass der Vater sie nur geduckt durchschreiten konnte. Und dazwischen ging es immer wieder scharf nach links und rechts, treppauf und treppab und einmal, so schien es zumindest, sogar wieder ein Stückchen zurück.

 

Bald schon hatte Klippo jedes Gefühl für Zeit und Raum verloren. Alles, was er mit Sicherheit sagen konnte, war, dass er diesen Teil des Gebäudes noch nie gesehen geschweige denn betreten hatte. Und dabei war dies doch sein eigenes Elternhaus! Doch so sehr er auch versuchte, sich auf den Weg zu besinnen – was, wenn all das eine Art Prüfung war und ihn der Vater plötzlich ganz alleine in diesem verwirrenden Halbdunkel zurücklassen würde? –, es wollte ihm einfach nicht gelingen. Denn alles, woran er denken konnte, war die schwere, harte Hand seines Vaters, die noch immer auf seiner Schulter lastete. Was war das nur für eine Hand! Obwohl sie von fetten Adern durchzogen war, die auf der wächsernen Haut grünlich und bläulich hervortraten, schien sie nicht von warmem Blut durchpulst, denn sie fühlte sich so kalt und leblos an wie ein eisernes Scharnier.

 

Plötzlich waren sie da. Der Vater blieb unvermittelt stehen, nahm – endlich! – die Hand von Klippos Schulter und begann, in den Taschen seines schwarzen Umhangs zu wühlen. Nach einer Weile zog er einen langen, vom Rost zerfressenen Schlüssel hervor. Erst jetzt bemerkte Klippo, dass sie vor einer gewaltigen Tür standen, die über und über mit geheimnisvollen Schnitzereien und Einlegearbeiten versehen war: Im schwächlichen Licht, das von weit, weit oben in den Gang einsickerte, sah Klippo allerlei bizarre Tierwesen – geflügelte Reptilien und schwimmende Wölfe, tanzende Spinnen und gehörnte Raubvögel –, dazu verschiedenste geheimnisvolle Symbole und verschlungene Schriftzeichen, deren Bedeutung er sich nicht einmal ausmalen mochte. Noch ehe er seinen Vater danach fragen konnte, hatte dieser den Schlüssel ins Schloss geschoben und mit einem leisen Knirschen umgedreht. Sie traten ein.

 

Im Inneren des finsteren Raumes roch es nach Staub und Alter, durchmischt mit einem seltsam süßlichen Geruch, den Klippo nicht recht einordnen konnte. Aus irgendeinem Grund musste er aber an den eigentümlichen Duft denken, der bisweilen von Vaters langen Gewändern auszugehen pflegte und der ihn stets mit einer Mischung aus Furcht und Ekel erfüllt hatte. Als er sich vorsichtig weitertastete – der Vater schien sich ein wenig von ihm entfernt zu haben – strich auf einmal ein kühler Luftzug über Klippos Gesicht, wie eine klamme Geisterhand. Noch immer konnte er absolut nichts erkennen. Der Raum schien über keine Fenster, Deckenöffnungen oder sonstigen Lichtquellen zu verfügen. Doch plötzlich flammte mit einem leisen Ratsch! ein Streichholz auf, und wenig später flackerte eine große Fackel in der Hand des Vaters. In ihrem orangeroten, unruhigen Licht sah Klippo einen Raum, wie er eigenartiger gar nicht hätte sein können.

 

Die Höhe des Raumes war gar nicht abzuschätzen, das Licht von Vaters hoch erhobener Fackel verlor sich hilflos in der Schwärze. Dafür war der Raum zweifellos sehr schmal: Klippo konnte zu beiden Seiten hohe, mit dunklem Holz getäfelte Wände erkennen, die sich weit in die Tiefe des Raumes zu erstrecken schienen. Fast war es, als seien sie durch die geheimnisvolle Tür nur in einen weiteren langen Gang eingetreten. Und doch unterschied sich dieser Raum deutlich von allen, die sie bisher durchschritten hatten. Denn an den Wänden, zu beiden Seiten und in scheinbar endlosen Reihen, hingen riesige Bilder.

 

Es handelte sich um gewaltige Ölgemälde in schweren, grotesk verschnörkelten Holzrahmen, die einen durch ihre schiere Größe zu erdrücken schienen. Doch das war es nicht, was Klippos Blut in den Adern gefrieren ließ. Es waren die Gesichter. So sehr sich die einzelnen Gemälde, an denen er und sein Vater nun langsam entlangschritten, in Stil und Farbgestaltung auch unterscheiden mochten, so war ihnen doch eines gemeinsam: Es handelte sich ausnahmslos um Porträts. Und mit keinem der Porträtierten hätte Klippo alleine in diesem Raum sein wollen. Trotz der teils verblassten Farben und der hauchfeinen Sprünge, die manches Bild durchzogen, wirkten die Gesichter so lebensecht, um nicht zu sagen lebendig, dass Klippo schauderte. Vor allem, weil es sich durchwegs um schreckliche Gesichter handelte: freudlos und schmerzerfüllt die einen, grausam und von Hass zerfressen die anderen, manche allerdings auch hartherzig und hinterlistig.

 

„Ja, die Ahnengalerie derer von Kraftwerk ist voll von Wahnsinn, Verderbtheit und krankhaftem Menschenhass“, sagte der Vater in die Stille hinein. Es waren die ersten Worte, die er gesprochen hatte, seit sie, vor einer gefühlten Ewigkeit, in der Empfangshalle aufgebrochen waren. Klippo zuckte erschrocken zusammen – und das lag nicht etwa an der harten väterlichen Hand, die sich plötzlich wieder auf seine Schulter gelegt hatte. „Ahnengalerie?“, wiederholte er leise. „Was meint ihr damit, Herr Vater?“ – „Nun“, erklärte dieser, und Klippo schien es, als schwängen Stolz und Ehrfurcht in seiner Stimme mit, „all dies sind meine Vorfahren“. Er deutete auf die lange Bilderreihe, die hoch über ihren Köpfen im unsteten Licht flackerte. „Meine … und deine.“

 

Klippo schluckte schwer. Die Vorstellung, mit all diesen Höllengestalten verwandt zu sein – womöglich gar in direkter Linie – behagte ihm gar nicht. Dem Vater schien dieser Gedanke dafür umso mehr zu gefallen. „Genau aus diesem Grund, um dir das hier zu zeigen, habe ich dich heute hierher gebracht“, sagte er fast feierlich, „so wie mein Vater mich einst hierhergebracht hat und vor ihm sein Vater und vor ihm dessen Vater und so fort.“ Klippo schwindelte angesichts so vieler Väter und Vorväter. Er fragte sich, wie weit die Reihe der Kraftwerks wohl in der Zeit zurückreichen mochte und ob alle seine Vorfahren so hässlich gewesen waren wie die hier abgebildeten. Doch sein Vater ließ ihm gar keine Zeit für derlei Gedankenspiele. „Heute also“, sagte er, ungewöhnlich bewegt, „möchte ich dich, als meinen Erstgeborenen, in die ruhmreiche Ahnenreihe der Kraftwerks einführen. Zu diesem Zweck werde ich dir nun einige besonders …“, er hielt kurz inne, um nach dem richtigen Wort zu suchen, „bemerkenswerte Vertreter unseres großen Geschlechts vorstellen.“

 

Er führte Klippo noch ein paar Schritte weiter und blieb dann vor einem Gemälde stehen, das die meisten anderen, die Klippo bisher gesehen hatte, an Scheußlichkeit noch zu übertreffen schien. Es zeigte einen unglaublich fetten Mann mit rotem, aufgedunsenem Gesicht, der, halb liegend, halb sitzend, auf einem mit edlem Brokatstoff überzogenen Kissen ruhte. Sein in sämtliche Himmelsrichtungen ausufernder Körper war in wallende, reich verzierte Gewänder gehüllt. In der einen Hand hielt er eine wuchtige, fettriefende Schweinshaxe, während er sich mit der anderen Hand pralle, saftig-grüne Weintrauben in seinen weit aufgerissenen Schlund stopfte. Klippo hatte das Gefühl, dass er sich gleich übergeben müsse. „Das ist dein Urahn, Baron Kuno von Kraftwerk“, sagte der Vater.

 

„W-was?“ Klippo brauchte einen Moment, um diese unerfreuliche Tatsache zu verdauen, „und … und wer war dieser Mann?“ – „Nun“, begann der Vater nicht ohne Stolz, „er war der hemmungsloseste Vielfraß des gesamten Spätmittelalters. Seine Zeitgenossen nannten ihn auch den Fetten Kuno. Zu recht, wie ich finde“. – „Und … was hat dieser Kuno so … gemacht?“ – „Nun, in der Hauptsache natürlich gefressen“, sagte der Vater, „vor allem in Zeiten von Hungersnöten, in denen seine Untertanen kaum das Nötigste zum Überleben hatten.“ – „Aber …“, wollte Klippo einwenden, doch sein Vater fuhr ihm ins Wort. „Eines Tages“, erzählte er schwärmerisch, „während einer besonders schlimmen Hungerepidemie, ich glaube es war im Jahre 1458, ließ Kuno Tausend seiner Leibeigenen zu sich rufen. Er gab ihnen den Auftrag, aus den Resten von Brot und Fleisch, die bei den ausschweifenden Schlemmereien auf dem Kraftwerk’schen Ansitz in gewaltigen Mengen anzufallen pflegten, ein riesiges Schloss zu errichten, mit Zinnen aus Kuchen, einer Zugbrücke aus Hartwürsten und einem Burggraben, der bis zum Rand mit süßem Rahm gefüllt war.“ – „Aber …“, brachte Klippo endlich heraus, „aber das ist doch unmenschlich!“ – „Ganz recht“, erwiderte der Vater, „das hast du gut erkannt, mein Sohn. Doch nun lass uns weitergehen.“

 

Sie kamen zu einem weiteren Gemälde, das einen bleichen, verhärmt wirkenden Mann mit eingefallenem Gesicht zeigte. An seinem kostbaren Umhang, der spitz zulaufenden Kopfbedeckung und dem schweren Goldkreuz um seinen Hals schloss Klippo, dass es sich um einen hochrangigen geistlichen Würdenträger handeln musste. Und er täuschte sich nicht: „Das hier ist Bischof Claudius von Kraftwerk“, erläuterte der Vater, „der berühmteste Teufelsanbeter der frühen Neuzeit.“

 

Entsetzt sah Klippo zum Ölgemälde auf. Erst jetzt bemerkte er, dass ihn der Bischof mit seinem stechenden Blick regelrecht verfolgte. Doch der Vater schien von alledem nichts zu bemerken. „Um seine Schwarzen Messen im Ulmer Münster ranken sich die wildesten Legenden“, sagte er mit verklärtem Blick, „wir Nachgeborenen können uns nur in Ehrfurcht vor ihm verneigen. Als Hostienschänder ist er bis heute unerreicht und von seinen blasphemischen Schriften profitiert jede Kraftwerk-Generation aufs Neue.“

Klippo lief es bei solchen Worten eiskalt den Rücken hinunter. Aber immerhin, und das beruhigte ihn doch ein wenig, konnte es sich bei Bischof Claudius nicht um einen unmittelbaren Vorfahren handeln. Denn wenn ihm auch das Wort Zölibat nicht geläufig war, so wusste Klippo doch, dass katholische Geistliche keine Ehefrauen und keine Kinder haben durften … Die Stimme des Vaters unterbrach ihn in seinen Überlegungen. „Übrigens stammen wir alle in direkter Blutlinie von Bischof Claudius ab“, erklärte er gut gelaunt. – „Aber … wie ist das möglich?“, fragte Klippo kläglich. – „Nun ja, der Bischof war bekannt für seinen unvorstellbaren Verschleiß an Jungfrauen beiderlei Geschlechts. Und aus einer dieser unheiligen Verbindungen ist dein Ururururururuurururururuurururururgroßvater Karl von Kraftwerk hervorgegangen.“ – „Oh nein“, stieß Klippo hervor, doch der Vater schien dies geflissentlich zu überhören. Und schon standen sie vor dem nächsten Bildnis.

 

Klippos Gemüt hellte sich schlagartig auf. Endlich ein freundliches Gesicht!, dachte er. Und ein wunderschönes noch dazu. Das Gemälde hoch über ihren Köpfen stellte eine zarte, dunkelhaarige Frau um die Zwanzig dar, mit leuchtend grünen Augen und delikaten, ebenmäßigen Zügen. Sie trug ein leichtes grünes Sommerkleid, unter dem ihre zierlichen Marmorschultern reizvoll hervorschimmerten. Ihre nackten Füße baumelten anmutig im kristallklaren Wasser eines Gebirgsbaches. Ein scheues, aber umso gewinnenderes Lächeln umspielte ihr mädchenhaftes Antlitz. Klippo war wie verzaubert.

 

„Gefällt sie dir?“, fragte der Vater und zwinkerte ihm aufmunternd zu. Klippo nickte stumm. „Damit beweist du einen ausgezeichneten Geschmack“, lobte der Vater, „bei diesem holden Fräulein handelt es sich nämlich um Klara von Kraftwerk, besser bekannt als die Blutgräfin“. Klippo zuckte heftig zusammen. „Warum … warum hat man ihr denn einen so furchtbaren Namen gegeben?“, wollte er wissen – obgleich er es eigentlich gar nicht wissen wollte. „Nun“, sagte der Vater verträumt, „sie war eben eine ganz besondere Frau. Kein Mann konnte ihren Reizen widerstehen. Sie war insgesamt dreizehn Mal verheiratet – und zwar ausschließlich mit wohlhabenden, einflussreichen Männer aus der Kraftwerk-Dynastie.“ – „Aber …“, fragte Klippo verständnislos, „was ist denn bloß aus all diesen Ehemännern geworden?“

 

„Nun ja, das war natürlich von Fall zu Fall verschieden“, antwortete der Vater und legte, angestrengt nachdenkend, die Stirn in Falten, „aus dem ersten wurde eine Wasserleiche, aus drei oder vier weiteren berühmte Giftopfer …, zwei wurden, glaube ich, erdrosselt …, ein weiterer, wenn ich mich recht entsinne, hinterrücks erdolcht, … der Nächste beim Beischlaf erstickt und so weiter und so fort. Wenn du willst, schlage ich die Einzelheiten heute Abend in der Familienchronik nach.“ – „Äh, ich glaube, das ist nicht nötig, Herr Vater“, sagte Klippo schnell.

 

„Aber da du erfreulicherweise so reges Interesse an dieser erfolgreichsten Gattenmörderin des 18. Jahrhunderts zeigst“, fuhr der Vater fort, ohne sich von Klippos Einwand beirren zu lassen, „verrate ich dir gerne noch mehr. So wird es dich gewiss freuen, zu hören, dass es ebendiese Klara von Kraftwerk war, die unser ehrwürdiges Herrenhaus errichten ließ, mitsamt der prachtvollen Ahnengalerie, in der wir uns gerade befinden.“ – „Tatsächlich?“, fragte Klippo und sah sich mit einem mulmigen Gefühl um, so als könnte die schöne Blutgräfin jederzeit aus irgendeinem dunklen Winkel hervorgekrochen kommen. – „Ja, genauso war es. Klara wollte sich mit ihrem dreizehnten und letzten Gatten Klaus von Kraftwerk, den sie geradezu abgöttisch liebte, einen würdigen Alterssitz schaffen. Bedauerlicherweise war es dem kühnen Klaus nicht mehr beschieden, die Fertigstellung mitzuerleben. Aber dennoch ist er bis heute eine wichtige Stütze unseres Hauses.“ – „Wie meint Ihr das, Herr Vater?“ – „Nun, genauso, wie ich es sage: Er wurde als tragende Säule in eine der Hauswände eingemauert, natürlich bei lebendigem Leibe. Übrigens, mein Sohn, du darfst dich geehrt fühlen.“ – „Ich?“, fragte Klippo angstvoll, „aber wieso denn?“ – „Weil es sich um die Wand deines Schlafzimmers handelt.“ – „Um Himmels willen!“, rief Klippo, außer sich vor Schreck – was ihm umgehend einen strafenden Blick des Vaters eintrug. „Keine Kraftausdrücke, Klippo!“, sagte er streng. Dann fasste er seinen Sohn an der Schulter und schob ihn weiter den Gang hinunter.

 

Sie hatten beinahe das Ende der Bildergalerie, die allem Anschein nach chronologisch angeordnet war, erreicht, als der Vater abrupt stehenblieb. „Und nun, Klippo“, sagte er langsam und deutete zu einem besonders ausgedehnten Gemälde hinauf, „kommen wir zu einem ganz besonderen Herrn. Wer, glaubst du, könnte das wohl sein?“

 

Vorsichtig hob Klippo den Blick – nur um ihn sofort wieder zu senken. Der Mann auf dem Ölgemälde war mit Sicherheit die furchteinflößendste Gestalt, die er jemals gesehen hatte. Nur mit größter Anstrengung konnte er sich dazu überwinden, noch einmal den Kopf zu heben, um das Bild näher in Augenschein zu nehmen. Das Gemälde zeigte einen hünenhaften Mann in brauner Militäruniform, mit langem weißem Bart und einer riesigen schwarzen Augenklappe, die fast seine gesamte linke Gesichtshälfte einzunehmen schien. Sein linker Mundwinkel hing schlaff herab, wodurch das Gesicht in seiner Gesamtheit zu einer unnatürlichen Grimasse verzerrt wurde. Trotz seines offenbar weit fortgeschrittenen Alters – das blutleere Antlitz war von unzähligen kleinen Falten und Runzeln durchzogen – war seine Haltung geradezu erschreckend stramm und kraftvoll. Dies war umso befremdlicher, ja unbegreiflicher, als ihm sowohl der linke Arm als auch das linke Bein vollständig fehlten. Am fürchterlichsten aber war das eine, gesunde Auge des Mannes, das hinter einem tief im Fleisch sitzenden Monokel hervorblitzte. Denn sein stahlgrauer, starrer Blick war so unerbittlich und kalt, dass ihm Klippo – obwohl es sich doch nur um ein Bild handelte – nicht eine Sekunde lang standzuhalten vermochte. „Also“, wiederholte der Vater, „wer könnte das wohl sein?“

 

„Ich … ich weiß es nicht, Herr Vater“, sagte Klippo kläglich, „aber dieser Mann macht mir Angst.“ – „Und zwar vollkommen zurecht“, sagte der Vater zufrieden, „schließlich war General Krieghart von Kraftwerk der mit Abstand brutalste Befehlshaber, den unsere an brutalen Befehlshabern nicht eben arme Familie jemals hervorgebracht hat.“ – „Das … kann ich mir vorstellen“, erwiderte Klippo tonlos. – „O nein, o nein, das kannst du dir niemals vorstellen“, sagte der Vater lächelnd, „die Grausamkeiten und Gemeinheiten, die dieser Mann vollbracht hat, sprengen nämlich alle Vorstellungskraft. Egal ob im Krimkrieg oder im Koreakrieg, im Wolfskrieg oder im Wüstenkrieg, sein Sadismus gegenüber den eigenen und natürlich auch den fremden Soldaten kannte keine Grenzen. Je sinnloser und aussichtloser die Schlacht, umso mehr behagte es ihm. Je jünger und unerfahrener seine Soldaten, desto freudiger schickte er sie in den Tod.“

 

Er hielt kurz inne, um seinem Bericht gebührendes Gewicht zu verleihen. Klippo öffnete den Mund, um seinem Ekel und seiner Empörung Luft zu machen, aber seine Stimme versagte. Also setzte der Vater seine Erzählung munter fort: „Natürlich“, sagte er und grinste dabei schelmisch, „haben sich Krieghart von Kraftwerks Männer immer wieder gegen ihn aufgelehnt, haben ihm vor Wut und Verzweiflung Arm und Bein abgeschlagen und ihm eines Tages sogar das Auge ausgestochen. Doch selbst das hat er genossen. Ein echter Kraftwerk eben!“ – „Aber … aber, das ist ja … abstoßend!“, würgte Klippo endlich hervor. Er merkte, wie ihm Tränen der Wut und der Trauer in die Augen stiegen. – „Abstoßend?“, der Vater wiegte nachdenklich den Kopf, als prüfe er den Gehalt des Gesagten, „ja, abstoßend ist ein Wort, das deinen Großvater tatsächlich sehr treffend beschreibt.“

 

Klippo war wie vom Donner gerührt. „Dieser, dieses … Ungeheuer ist mein Großvater?“, fragte er ungläubig. – „O ja“, erwiderte der Vater gerührt, „er war wirklich ein großartiger Mann“. Verstohlen wischte er sich eine staubige Träne aus dem Augenwinkel, ehe er fortfuhr: „Auch nach dem Verlust von Auge, Arm und Bein erfreute sich Papa einer beneidenswerten körperlichen und geistigen Gesundheit. Die Frauen lagen ihm regelrecht zu Füßen, auch oder gerade weil er nur mehr einen davon hatte. Im stolzen Alter von 88 Jahren ging er seine dritte Ehe ein, mit seiner um mehr als 60 Jahre jüngeren Großnichte Katharina von Kraftwerk, einer wunderbaren Tänzerin und Lustmörderin – meiner geliebten, viel zu früh verstorbenen Mutter.“ Nun konnte sich Konrad von Kraftwerk nicht mehr halten und begann laut zu schluchzen. Es klang so hart und trocken wie Sandpapier, das über eine raue Oberfläche scheuert.

 

Doch schon nach wenigen Augenblicken verstummte der Vater wieder. „Ich scheine verlernt zu haben, wie man weint“, stellte er mit einer gewissen Überraschung fest, „doch sei’s drum.“ Er war inzwischen wieder vollkommen Herr seiner selbst. „Das Wichtigste ist doch, dass ich dir, meinem geliebten Sohn, heute unsere stolze Familiengeschichte näherbringen konnte.“ Er deutete mit einer großen Geste über die lange Reihe der Bilder hinweg. „Würde man unsere gesamte Ahnengalerie zu einem einzigen riesigen Gemälde zusammenfassen, so entstünde ein Sinnbild grenzenloser Verworfenheit“. Wieder erfolgte eine ausladende Handbewegung. „Wo unsere Vorfahren auch gelebt und wie auch immer sie ihren Lebensunterhalt bestritten haben mögen, als Sklaventreiber oder dekadente Großgrundbesitzer, als herzlose Pfaffen oder hinterlistige Verschwörerinnen, etwas war doch allen von ihnen gemeinsam – äußerste Grausamkeit und tiefe Verachtung für das menschliche Leben. Das ist es, wofür wir Kraftwerks seit Anbeginn unseres Geschlechtes standen, stehen und auch in Zukunft stehen werden. Das sind die kostbaren Werte und Traditionen, die seit vielen Jahrhunderten vom Vater an den Sohn weitergegeben werden.“

 

Er legte eine kunstvolle Pause ein. „Und auch ich“, sagte er dann mit feierlichem Pathos, „habe mich in unsere hehre Familientradition gefügt und bin ein rechtschaffen schlechter Mensch geworden. Wenn ich heute vor dir stehe, mein geliebter Sohn, dann kann ich mit Stolz von mir behaupten, ein wahres Scheusal zu sein: hartherzig, verbittert und menschenfeindlich. Gewiss, der Weg dorthin war alles andere als einfach, ich wurde von Zweifeln geplagt, und mehr als einmal drohte ich an der schieren Last des Stehlens und Betrügens, des Mordens und Schändens zu zerbrechen. Doch irgendwann habe ich gelernt, mich nicht mehr dagegen zu wehren. Denn genau das ist es, was in uns Kraftwerks steckt, was uns auszeichnet und uns von den einfachen, erbärmlichen, verachtenswerten Menschen abhebt: unsere abgrundtiefe Bosheit!“ „Aber so bin ich nicht!“, schrie Klippo plötzlich, so laut er nur konnte, „so bin ich nicht, Vater! Ich bin nicht böse. Ich bin … ein lieber Junge!“

 

„Ja, das ist es, was du glaubst – oder glauben möchtest“, sagte der Vater nachsichtig, fast zärtlich, „aber bald schon wirst du dich selbst eines Besseren belehren.“ Er tätschelte Klippos gerötetes Gesicht mit seinen kalten Fingern. „Denn auch du trägst die Saat in dir. Auch du musst – und wirst – dieses schreckliche und zugleich schrecklich schöne Erbe annehmen.“ – „Nein, Herr Vater, nein!“, rief Klippo, „das werde ich nicht tun! Ich … ich werde einfach davonlaufen, mit meinen Freunden und meinen Kätzchen. Denn ich will gut sein und ich will glücklich sein!!“ Heiße Tränen rollten über Klippos Gesicht und aus seiner Nase lief es in dicken Strömen, wie bei einem ganz, ganz kleinen Buben.

 

Der Vater streichelte ihm noch einmal über die verquollenen Wangen, als versuche er, die bleischwere Last seiner Worte zu lindern. „Leider kommt es nicht darauf an, was du willst oder nicht willst, Klippo“, sagte er leise, „sondern darauf, was in dir angelegt ist. Was dir im Blut liegt, um eines Tages zur Entfaltung zu kommen. Glaub mir, mein Sohn, es ist in dir. Und es ist alles vorgezeichnet.“

 

Mit diesen Worten führte er Klippo zu den letzten beiden Bildern, die sich an jenes des Großvaters und der Großmutter anschlossen. Das Bild zur Rechten zeigte den Vater, in seinem langen schwarzen Mantel, mit seinen scharf geschnittenen, freudlosen Gesichtszügen. Das letzte Gemälde aber, jenes zur Linken, zeigte … Klippo selbst.

 

Klippo wusste augenblicklich und mit erbarmungsloser Gewissheit, dass er es war. Das Bildnis, das da im zuckenden Fackelschein vor seinen Augen tanzte, zeigte zwar keinen pausbäckigen Elfjährigen, sondern einen auffallend blassen und schlanken jungen Mann mit kurzem, eisblondem Haar. Und auch das hämische, hochmütige Grinsen, das die an sich wohlgefälligen Züge des Jünglings entstellte, hatte Klippo noch nie an sich beobachtet. Und doch gab es keinen Zweifel: Die Augen, die Nase und das schlangenförmige Muttermal am Hals wiesen ihn eindeutig als den aus, der er war. Klippo blickte in einen Spiegel. Den Spiegel seiner eigenen Zukunft.

 

„Nun siehst du es selbst“, sagte der Vater ernst, „es gibt kein Entkommen. Vor deinem Schicksal kannst du nicht weglaufen.“ Klippo wollte etwas entgegen, aber die Worte blieben ihm in der Kehle, in der Seele stecken. „Wir sind ein verseuchtes Geschlecht, Klippo“, schloss der Vater. „Alles, was wir tun können, ist es, die Seuche weiterzutragen und sie so lange zu verbreiten, bis unsere Schlechtigkeit in der allgemeinen Verkommenheit und Niedertracht der Menschheit nicht mehr auffällt. Mit anderen Worten: Wir müssen die Welt mit unserer Bosheit durchdringen, bis sie ebenso böse geworden ist wie wir. Verstehst du das, Klippo?“

 

Klippo nickte stumm. Zwar hatte er längst nicht jedes der düsteren und verschlungenen Worte des Vaters begriffen. Doch als nun die schwere Tür hinter ihm ins Schloss fiel und die Ahnengalerie wieder in endlosem Dunkel versank, als er an der Hand des Vaters durch die wild wuchernden Gänge des Herrenhauses schritt, um endlich vom düsteren Halblicht der Empfangshalle in die plötzlich so fremde, ja fast unangenehme Helligkeit eines glitzernden Sommertages hinauszutreten, da wusste er zumindest eines: dass die Welt nie wieder so sein würde wie zuvor.“

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